Eine Vermessung

Es wäre sicherlich vermessen zu sagen, dass wir die Laufstrecke exakt vermessen haben. Denn Messer wissen, wer misst misst Mist. Aber interessant ist es ja schon, wie so eine Strecke offiziell vermessen wird, also haben wir das mal bischen recherchiert…

Viele kleinere Veranstaltungen machen das inzwischen einfach per GPS, über die Genauigkeit davon lässt sich vortefflich streiten, aber klar ist, Bestenlisten oder gar Weltrekordfähig bekommt man eine Strecke so nicht. Um das zu erreichen hat sich von Amerika aus der so genannte „Jones Counter“ verbreitet – ein Zähler der an der Nabe eines Fahrrades angebracht wird und pro Radumdrehung 24 oder mehr Zähler zählt, also unter 10cm für einen. Auch der DLV setzt auf dieses Gerät, einen kleinen überblick gibt diese Präsentation, im Detail ist das Verfahren im Handbuch für DLV Streckenvermesser beschrieben.

Fahrrad auf Tartanbahn

Mit dem Fahrrad auf der Tartanbahn

Was aber nun, wenn man grad keinen Jones Counter hat? Im Prinzip lässt der sich mit dem Mitnehmer eines Fahrradtachos aus den 80ern und einem Zählwerk nachbauen, Zählwerke die entsprechende Umdrehungszahlen schaffen kosten aber durchaus schon 30 EUR aufwärts und so nen Mitnehmer findet man auch nicht mehr so leicht. Da wir keinen echten Weltrekord beim Bestzeitmarathon erwarten, wurde also ein bischen getrickst und einfach einen elektronischer Impulszähler an dem Magnetsensor eines modernen Fahrradtachos misbraucht. Normal zählt der natürlich nur einen Zähler pro Radumdrehung, durch die Anbringung von mehr Magneten lässt sich das aber erweitern. Wir haben uns mit dreien begnügt, was ca. 2/3 Meter pro Impuls entspricht – ca. 8 mal so schlecht wie der echte Jones Counter, aber wohl klar besser als GPS.

Aber wie viel cm entspricht ein Impuls nun genau? Das DLV Handbuch sieht vor eine Strecke von mindestens 300m mit dem Massband abzumessen und mehrfach abzufahren um den Zähler zu kalibrieren. Ich fand zum Glück einen freundlichen Sportwart wer mich ein paar Runden auf seiner 333m Bahn drehen liess – was eine kurze Diskussion ergab, wo denn genau die 333m sind, um es kurz zu machen: ganz innen, logish! Die Werte waren wirklich sehr konstant und 3 Runden – 1km – ergab ca. 1476.7 Impulse. Noch zum nächsten Zähler aufrunden und 1m drauf (falls es echt 333 und nicht 333.333m sind, das wusste keiner) sind wir bei 1478.

Mit diesen Messwerten bewaffnet ging es nun in den Ostpark – die Runde nach DLV Richtlinien abfahren. Also – auf Ideallinie, überall wo ein Läufer abkürzen kann ohne den Weg zu verlassen muss das Messfahrrad dies auch tun, Fussgängern mit Hunden darf keinesfalls ausgewichen werden, was nachts zum Glück kein Problem war. Auf der kurvigen und leicht hügeligen Strecke gar nicht so leicht – beim ersten Versuch zwei bis drei Kurven nicht optimal geschnitten und eine Kontrollfahrt ergab das macht durchaus schon ein paar Meter aus.

Zur Justierung der Strecke enthält die Runde ja eine Pendelstrecke in Richtung Michaelibad – es wurde daher erst die „Basisrunde“ gemessen und dann berechnet, wie viel noch fehlt. Aber halt – um den Regeln zu entsprechen darf man hier nicht mehr exakt sein. Denn wer misst… Und das weiss auch der DLV. Ein Aufschlag von einem Promille ist vorgesehen, also etwas über 2 Meter. Der sich so ergebende Wendepunkt lag recht genau da, wo auch der gmap-pedometer Streckenplan ihn festgelegt hat, kurz vor den Pollern zur Strasse – da wird es am Lauftag eine Markierung geben um die heraum gelaufen werden muss. Eine Runde müsste damit ca. 2.113km lang sein, auf die Gesamtlänge sind das ganze 65m mehr als ein Marathon, etwas mehr als die vom DLV geforderten 40, aber ich denke noch im Rahmen.

Ganz klar: Bestenlistenfähig ist unsere Strecke damit nicht. Nicht nur, weil uns ja u.U. die Uhr überraschend stehen bleibt – sondern auch weil es dafür ein vom DLV geprüfter Streckenmesser machen müsste und eben ein echter Jones Counter und kein ungenauerer Nachbau benutzt werden müsste. Denoch – ich bin relativ zuversichtlich, dass wir eine grob auf den Meter genaue Strecke haben, was deutlich genauer ist als man als Läufer wohl die Ideallinie immer treffen wird. V.a. wenn man nach der Pendelstrecke nochmal zum Getränkestand will – dazu muss man nämlich ein paar Meter abweichen. Immerhin – bei unserem Testlauf vom Montag war die Strecke ähnlich lang. Bleibt nur spannend: was werden unsere GPS Uhren am Ende des Marathons zeigen? In 24 Stunden wissen wir es!

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